Terror, Verfolgung, Hunger – Das Elend in Eritrea

Am Mittwoch 03.02. veranstaltete die Flüchtlingsinitiative im Martin-Luther-Haus einen Vortragsabend zur aktuellen Situation in Eritrea, einemVortrag kleinen ostafrikanischen Staat am Roten Meer. Immer mehr Menschen verlassen das mit 6 Millionen je zur Hälfte aus Muslimen und Christen bewohnte Land, um den menschenunwürdigen Lebensumständen zu entfliehen. Die Referentin Nele Hansen, Anthropologin, erklärte in ihrer Präsentation anschaulich die geschichtlichen Hintergründe und die politische und katastrophale humanitäre Lage, die zur Flucht vieler Menschen führt. Etwa ein Fünftel der Bevölkerung lebt inzwischen im Ausland.

Eritrea, seit 1993 ein eigenständiger Staat, wird von der Volksfront für Demokratie und Gerechtigkeit (PFDJ) in einem Einparteiensystem über zwanzig Jahre diktatorisch durch ihren Parteivorsitzenden, Regierungschef und Staatspräsident Isayas Afewerki regiert. Das Land ist seit langem nach außen hin abgeschottet, Menschenrechtsorganisationen werden an den Grenzen abgewiesen und nur wenige Ausländer haben Zugang. Kenntnisse über die aktuelle Situation beruhen deshalb vorwiegend auf glaubhaften Augenzeugenberichten von geflohenen Eritreern. Ihre Schilderungen zeugen von erschütternden Lebensumständen der Bevölkerung. Willkürliche Verhaftungen, Folterungen, Vergewaltigungen und Tötungen durch Angehörige des Regimes sind an der Tagesordnung.

Ab 18 Jahren können alle Eritreer verpflichtet werden in der Armee zu dienen und das bis ins hohe Lebensalter. Der militärische Dienst wird häufig für körperlich schwere Zwangsarbeiten wie beispielsweise auf Baustellen und in der Landwirtschaft missbraucht. Meist profitieren die Eliten des Regimes von dieser kostenlosen EritreaArbeitskraft. Repressionen und gewalttätige Übergriffe sind auch hier alltäglich. Die im Jahr 1997 angekündigten demokratische Strukturen wurden nie eingeführt, die damals verabschiedete Verfassung nie in Kraft gesetzt. Stattdessen wurde die allumfassende Bespitzelung und Einschüchterung der Bevölkerung massiv ausgebaut. Angst, Misstrauen und Resignation kennzeichnen die Stimmungslage im Land. Die Flucht außer Landes ist sehr gefährlich, da Entführungen von Eritreern auf dem Weg in den Norden bedrohlich zugenommen haben. Für die Freilassung werden häufig Familienangehörige erpresst Lösegeld zu zahlen. Frau Hansen berichtete in dem Zusammenhang von zum Teil lagerähnlichen Orten auf der Halbinsel Sinai, wo systematisch Flüchtlinge gefoltert, vergewaltigt und verstümmelt werden, um Lösegeldforderungen Nachdruck zu verleihen.

Der sehr informative Vortrag machte deutlich, wie verzweifelt und perspektivlos Menschen sein müssen, wenn sie ihre Heimatland verlassen und sich unter solchen Umständen auf den Weg nach Norden machen, auf der Suche nach einem sicheren Ort und einer besseren Zukunft. (ni)

Wer sich für weitere Informationen über die Lage in Eritrea interessiert, hier eine kleine Auswahl von Links im Internet:

Bundeszentrale für politische Bildung:

http://www.bpb.de/gesellschaft/migration/newsletter/195082/fluechtlinge-in-europa

http://www.bpb.de/internationales/afrika/afrika/59031/horn-von-afrika

Amnesty International – Eritrea:

https://www.amnesty.de/laenderbericht/eritrea

Wikipedia – Menschenrechte in Eritrea:

https://de.wikipedia.org/wiki/Menschenrechte_in_Eritrea#Sonderberichterstatterin_der_Vereinten_Nationen_f.C3.BCr_Eritrea

Deutscher Bundestag: Aktuelle Stunde zu Menschenrechtsverletzungen in Eritrea am 10.06.2015 https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2015/kw24_aktuelle_stunde_eritrea/377944

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