Aktion Fahrradwerkstatt – Örtliche Mobilität der Flüchtlinge verbessern

Am Sonnabend 22.02. trafen sich in Bad Gandersheim Flüchtlinge und Mitglieder der Flüchtlingsinitiative ‚einLeben‘, um gespendete Fahrräder wieder fahrbereit zu machen. Mit vielFahrradwerkstatt 1 kreativem Geschick, gesammelten Altteilen und unter fachlicher Anleitung wurde die Straßentauglichkeit der schon in die Tage gekommenen Velos wieder hergestellt. Fahrräder sind für viele Flüchtlinge die einzige Möglichkeit, um ihre Mobilität zu verbessern. Ortschaften, die keine oder nur zeitlich sehr eingeschränkte Busverbindungen haben, erschweren es Vielen größere Orte mit Geschäften zu erreichen, Kontakte zu pflegen oder beispielsweise einen Sprachkurs zu besuchen. Neue Fahrräder oder größere Ersatzteile kann sich aus finanziellen Gründen keiner der Flüchtlinge leisten. Alle die gekommen waren gingen deshalb mit großer Begeisterung und Motivation an die Arbeit defekte Teile auszubauen und mit dem vorhandenen Altmaterial zu ersetzen. Gleichzeitig wurden schon reparierte, verkehrstüchtige Fahrräder Probe gefahren und Ausleihwünsche angemeldet.

Am gemeinsamen Mittagstisch mit diversen leckeren Suppen wurde weiter gefachsimpelt und Fahrradwerkstatt 2nach Möglichkeiten gesucht, wie man dringend benötigte zusätzliche Altfahrräder besorgen kann, um den Radius der Beweglichkeit von Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern zu erhöhen. Auch die Dankbarkeit über die bisherige Hilfs- und Spenderbereitschaft der Mitbürger von Bad Gandersheim wurde von Vielen immer wieder betont.
Wer die Flüchtlinge bei der Integration durch Verbesserung ihrer Mobilität unterstützen möchte  und seine gebrauchten Erwachsenen- und Kinderfahrräder nicht mehr benötigt, kann diese gerne der Flüchtlingsinitiative ‚einLeben‘ spenden. Melden Sie sich bitte telefonisch unter 05382-95520 in der Diakonie Bad Gandersheim oder schreiben Sie eine E-Mail an kontakt@einleben.net (ni)

Terror, Verfolgung, Hunger – Das Elend in Eritrea

Am Mittwoch 03.02. veranstaltete die Flüchtlingsinitiative im Martin-Luther-Haus einen Vortragsabend zur aktuellen Situation in Eritrea, einemVortrag kleinen ostafrikanischen Staat am Roten Meer. Immer mehr Menschen verlassen das mit 6 Millionen je zur Hälfte aus Muslimen und Christen bewohnte Land, um den menschenunwürdigen Lebensumständen zu entfliehen. Die Referentin Nele Hansen, Anthropologin, erklärte in ihrer Präsentation anschaulich die geschichtlichen Hintergründe und die politische und katastrophale humanitäre Lage, die zur Flucht vieler Menschen führt. Etwa ein Fünftel der Bevölkerung lebt inzwischen im Ausland.

Eritrea, seit 1993 ein eigenständiger Staat, wird von der Volksfront für Demokratie und Gerechtigkeit (PFDJ) in einem Einparteiensystem über zwanzig Jahre diktatorisch durch ihren Parteivorsitzenden, Regierungschef und Staatspräsident Isayas Afewerki regiert. Das Land ist seit langem nach außen hin abgeschottet, Menschenrechtsorganisationen werden an den Grenzen abgewiesen und nur wenige Ausländer haben Zugang. Kenntnisse über die aktuelle Situation beruhen deshalb vorwiegend auf glaubhaften Augenzeugenberichten von geflohenen Eritreern. Ihre Schilderungen zeugen von erschütternden Lebensumständen der Bevölkerung. Willkürliche Verhaftungen, Folterungen, Vergewaltigungen und Tötungen durch Angehörige des Regimes sind an der Tagesordnung.

Ab 18 Jahren können alle Eritreer verpflichtet werden in der Armee zu dienen und das bis ins hohe Lebensalter. Der militärische Dienst wird häufig für körperlich schwere Zwangsarbeiten wie beispielsweise auf Baustellen und in der Landwirtschaft missbraucht. Meist profitieren die Eliten des Regimes von dieser kostenlosen EritreaArbeitskraft. Repressionen und gewalttätige Übergriffe sind auch hier alltäglich. Die im Jahr 1997 angekündigten demokratische Strukturen wurden nie eingeführt, die damals verabschiedete Verfassung nie in Kraft gesetzt. Stattdessen wurde die allumfassende Bespitzelung und Einschüchterung der Bevölkerung massiv ausgebaut. Angst, Misstrauen und Resignation kennzeichnen die Stimmungslage im Land. Die Flucht außer Landes ist sehr gefährlich, da Entführungen von Eritreern auf dem Weg in den Norden bedrohlich zugenommen haben. Für die Freilassung werden häufig Familienangehörige erpresst Lösegeld zu zahlen. Frau Hansen berichtete in dem Zusammenhang von zum Teil lagerähnlichen Orten auf der Halbinsel Sinai, wo systematisch Flüchtlinge gefoltert, vergewaltigt und verstümmelt werden, um Lösegeldforderungen Nachdruck zu verleihen.

Der sehr informative Vortrag machte deutlich, wie verzweifelt und perspektivlos Menschen sein müssen, wenn sie ihre Heimatland verlassen und sich unter solchen Umständen auf den Weg nach Norden machen, auf der Suche nach einem sicheren Ort und einer besseren Zukunft. (ni)

Wer sich für weitere Informationen über die Lage in Eritrea interessiert, hier eine kleine Auswahl von Links im Internet:

Bundeszentrale für politische Bildung:

http://www.bpb.de/gesellschaft/migration/newsletter/195082/fluechtlinge-in-europa

http://www.bpb.de/internationales/afrika/afrika/59031/horn-von-afrika

Amnesty International – Eritrea:

https://www.amnesty.de/laenderbericht/eritrea

Wikipedia – Menschenrechte in Eritrea:

https://de.wikipedia.org/wiki/Menschenrechte_in_Eritrea#Sonderberichterstatterin_der_Vereinten_Nationen_f.C3.BCr_Eritrea

Deutscher Bundestag: Aktuelle Stunde zu Menschenrechtsverletzungen in Eritrea am 10.06.2015 https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2015/kw24_aktuelle_stunde_eritrea/377944

einLeben sucht aufgeschlossene Unterstützer für die Flüchtlingsbegleitung

Der Zuzug vieler Menschen in sehr kurzer Zeit ist für uns Ehrenamtliche, die einheimische Bevölkerung und ganz besonders für unsere neuen Mitbürger selbst eine große Herausforderung. Viele der geflüchteten Menschen, die dauerhaft in und um Bad Gandersheim wohnen werden, sind zu Beginn auf die Unterstützung offenherziger Mitbürger angewiesen. Uns wiederum kann der Kontakt helfen, um Unsicherheiten abzubauen und neue Erfahrungen zu machen. Denn nur so kann Integration und ein positives Miteinander gelingen!
Die Initiative einLeben bietet vielfältige Möglichkeiten für ehrenamtliches Engagement in der Flüchtlingshilfe – auch für Menschen die wenig Zeit haben und flexibel bleiben wollen.
Unterstützen können Sie in folgenden Bereichen:

– in der aktiven Begleitung von in und um Bad Gandersheim dauerhaft untergebrachten Menschen oder der Übernahme von einzelnen Autofahrten,
Hilfen bei Behördengängen, Arztgängen, etc.

– bei der Sprachvermittlung, wie zum Beispiel privater Nachhilfe, Hilfe beim Vokabel lernen, Sprachpraxis oder Tandem-Lerngruppen

– durch Hilfestellung beim Einstieg in Jobs und Praktika

– bei der Planung und Umsetzung von Veranstaltungen der Initiative

Und auch darüber hinaus können Sie individuell nach Ihrer zur Verfügung stehenden Zeit und Ihren Fähigkeiten sich bei uns einsetzen.
Wenn Sie Interesse oder Fragen haben, melden Sie sich bitte über unsere E-Mail-Adresse kontakt@einleben.net oder über unseren Erfassungsbogen hier auf unserer Webseite www.einleben.net/kontakt
Wir freuen uns!

Die Initiative
einLeben

Jahreswechsel – „einLeben“ und viele Gäste feiern in der alten Diakonie und begrüßen das Jahr 2016

An den lachenden, fröhlichen Gesichtern konnte man gestern Abend gut ablesen, dass die Sylvesterparty ein voller Erfolg war. Die Flüchtlingsinitative „einLeben“ hatte dazuSylvesterfeier eingeladen gemeinsam mit den Neubürgern der Stadt Bad Gandersheim in der Alten Diakonie ins Neue Jahr zu feiern. Etwa Siebzig bis Achtzig junge und ältere alleinstehende Menschen oder ganze Familien waren der Einladung gefolgt. Zuvor hatten Mitglieder der Initiative die längere Zeit leerstehenden Räumlichkeiten schon vormittags  hergerichtet. Beleuchtung, Tische, Sitzgelegenheiten wurden organisiert und aufgestellt, Getränke besorgt. In der Zwischenzeit bereiteten unter anderem Flüchtlinge zuhause leckere Gerichte für das interkulturelle Büfett her.

bufett Dann ab 19 Uhr füllte sich die untere Etage des Hauses langsam. Die Kontaktaufnahme klappte ohne Probleme. Jeder fühlte sich sofort angenommen und integriert. Die fröhliche und ausgelassene Stimmung der Anwesenden steigerte sich, als aus der Musikanlage abwechselnd aktuelle Hits und landestypische Musik ertönten. Der große Eingangsbereich der Alten Diakonie wurde rasch zur Tanzfläche umfunktioniert und eine große Anzahl der Anwesenden folgte den Klängen in rhythmischen Tanzschritten und Körperbewegungen. Besonders die gemeinsamen Tänze Hand in Hand  im Kreis begeisterte Viele und ließ eine gelockerte, heitere Stimmung aufkommen. DasSylvester 3 reichhaltig mit vielen internationalen Köstlichkeiten gedeckte Büfett lud die Besucher immer wieder zwischendurch zum Essen ein. In den etwas ruhigeren Nebenräumen kam man schnell ins Gespräch. Ein Stimmengewirr aus deutscher, arabischer und englischer Sprache begleitete die lebhafte Unterhaltung. Besonders positiv auffallend war die Verständigungsmöglichkeit mit einigen noch nicht lange in Deutschland verweilenden Flüchtlingen in deutscher Sprache. Andere bemühten sich in den Gesprächen die im Anfängerkurs erlernten Wörter richtig anzuwenden und fragten immer wieder nach, ob ihre Aussprache korrekt sei und dass man sie falls nötig doch verbessern möge.

Manche der Flüchtlinge sah man aber auch zeitweise mit nachdenklichen Gesichtern am Tisch sitzen, hatten sie doch viel leidvolle Erfahrungen in dem ablaufenden Jahr gemacht und teilweise ihre Familien in den Kriegsgebieten zurücklassen müssen .

Nachdem man das Neue Jahr freudig begrüßt hatte, gingen die Partygäste sich zum Abschied reichlich bedankend zufrieden nach Hause. Alle fanden, dass es wirklich ein gelungener Abend war. (ni)
 

Sylvesterparty in der alten Diakonie – Mit den Flüchtlingen gemeinsam ins Jahr 2016 feiern

Mitglieder der Flüchtlingsinitiative „einLeben“ werden am 31.12. in den Räumlichkeiten der alten Diakonie am Barfüßerkloster eine Sylvesterparty veranstalten.  Herzlich eingeladen sind die im Raum Bad Gandersheim wohnenden Flüchtlinge und Bürger der Stadt. An diesem letzten Abend des Jahres soll den Besuchern in gemütlicherOrga-team Atmosphäre die Möglichkeit gegeben werden andere Menschen, deren Kultur und Lebensumstände näher kennen zu lernen und gemeinsam zu feiern. Da das Gebäude seit längerer Zeit nicht genutzt wurde, müssen die Räume für die Veranstaltung erst hergerichtet werden. Heute am  30.12. sind schon Mitglieder von „einLeben“ dabei aufzuräumen, zu säubern und Sitzgelegenheiten zu schaffen. Vorort wird in kleiner Runde der Organisationsplan besprochen, erstellt und die einzelnen noch zu erledigenden Aufgaben verteilt. Die Motivation ist groß und die Spannung auf die bevorstehende Sylvesterfeier ebenfalls.

Für das kommende Jahr ist geplant, dass die alte Diakonie wieder mit Leben erfüllt und zu einem „Interkulturellem Nachbarschaftszentrum“ hergerichtet werden soll. alte DiakonieVerschiedene Angebote sollen Flüchtlinge als Neubürger mit anderem kulturellen Hintergrund und schon länger hier lebende Bad Gandersheimer Bürger einander näher bringen, um sich besser verstehen und (ein)schätzen zu können. Ebenfalls im Gespräch sind Beratungsangebote und Hilfestellungen für Flüchtlinge und deren Familienangehörige im Alltag und bei der Berufsfindung bzw. Jobsuche mit der Absicht, eine bessere Integration in unsere Gesellschaft zu ermöglichen.

Beginnen wird die Sylvesterfeier um 19 Uhr. Jeder soll etwas zum Essen mitbringen, sodass ein leckeres interkulturelles Bufett aufgebaut werden kann. Auch Familien mit kleinen und großen Kindern sind herzlich willkommen. Für Getränke ist gesorgt. (ni)

 

Deutschkurse – von Flüchtlingen gut angenommen

Jede Woche kommen neue Migrantinnen und Migranten nach Bad Gandersheim. Die KVHS Northeim hat deshalb ihr Angebot seit vergangenem Herbst stark erweitert, um möglichst alle Interessierten zu erreichen, die einen Wohnsitz  hier in GandersheimAlphakurs Drieschner zugewiesen bekommen haben. Einige warten auf den Asylbescheid, andere haben ihn bereits positiv erhalten. Um die unterschiedlichen Lernstufen berücksichtigen zu können, sind zum einen Kurse eingerichtet worden, die die Alphabetisierung zum Thema haben, also die lateinische Schrift vermitteln und auf dieser Basis erste deutsche Ausdrücke lehren, als auch Kurse, die die geringen bis guten Vorkenntnisse der Migrantinnen und Migranten fördern und ausbauen. Insgesamt laufen derzeit in Bad Gandersheim, Altgandersheim und Sebexen acht Kurse. Als Kursleiter sind Dietmar Drieschner und Francesco Longheu in Alphakursen tätig. Am Nikolaustag hat Dietmar Drieschner die Gelegenheit genutzt, ein bisschen Landeskultur mit süßen Überraschungen zu verbinden und seinen eifrigen Schülern ein vorweihnachtliches Geschenk mit nach Hause zu geben. Norbert Braun und Upul de Silva unterrichten Anfänger in A1-Kursen, Dr. Birgit Bödeker und Sigrid Bostelmann arbeiten auf A1-Niveau mit fortgeschrittenen Anfängern. Gudrun Söffker unterrichtet Fortgeschrittene zwischen A2 und B1. Dieser Kurs ist am 19. Dezember zu einer Exkursion nach Göttingen gefahren, um das Gelernte bei praktischen Übungen in der Bahn, der Tourist-Information und in Geschäften zu erproben. Außerdem erhielten die Migranten Einblicke in die Nutzung der Universitätsbibliothek. Die Pflanzenwelten in den Gewächshäusern des Alten Botanischen Gartens schenkten ihnen ungeahnte Erlebnisse. Auch Roza G. aus Eritrea hat der Ausflug nach Göttingen gut gefallen: „Ich bin schon in Göttingen gewesen, aber so wie heute habe ich es noch nie erlebt: Mit A2 Kurs Göttingenschönen Geschichten wie z.B. der Erzählung vom Gänseliesel. Mit das beste war der Jacobi-Kirchturm, auf den wir geklettert sind! Die Plattform ist 62 Meter hoch, und der Turm ist 600 Jahre alt. Ich habe Göttingen mit anderen Augen gesehen, das war sehr schön. Ein großes Dankeschön an alle Mitfahrenden“. Für das kommende Jahr ist die Teilnahme an Prüfungen auf unterschiedlichen Niveaustufen angestrebt. Jugendliche werden in der Grund- oder Oberschule aufgenommen bzw. von dort an geeignete Schulen der Region weiter vermittelt. Auch das Roswitha-Gymnasium hat langjährige Erfahrung in der Betreuung von jungen Migrantinnen und Migranten.

Zahlreiche Ehrenamtliche engagieren sich seit Jahren in der Sprachvermittlung und sind nach wie vor wichtige Ansprechpartner für die neuen Bad Gandersheimer. Privater Nachhilfeunterricht ist von ihnen vielfältig angeboten worden und unterstützt die regelmäßigen Kursstunden mit individueller Förderung. Durch den großen Einsatz aller ist Gandersheim damit gut aufgestellt. Innerhalb des Netzwerkes für Flüchtlingshilfe „einLeben“ sind Elke Pilz (Telefon 05382/907210) und Irene Söffker (gleichzeitig Außenstellenleiterin der KVHS, Telefon 05382/3124) die Ansprechpartnerinnen für alle, die als mögliche Teilnehmer oder Nachhilfelehrer weitere Informationen zu den Sprachangeboten haben möchten. (söf)

Bild 1: Kleine Weihnachtsüberraschung für Teilnehmende des Alphakurses

Bild 2: Exkursion des Fortgeschrittenenkurses nach Göttingen