Ehrenamtliche von einLeben und Flüchtlinge besuchen gemeinsam die Stadt Goslar

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„Die Altstadt von Goslar  ist sehr schön. Der Weihnachtsmarkt ist sehr bunt. Die Fahrt in die Stadt hat meinen Freunden und mir in der großen Gruppe viel Spaß gemacht. Das sollten wir öfter machen.“ Abdullah, seit über einem Jahr nach seiner Flucht in Bad Gandersheim ansässig, interessiert sich sehr für die alten Gebäude und die Stadtgeschichte. Die Flüchtlingsinitiative EinLeben hatte alle ehrenamtlichen Helfer und von ihr betreuten Flüchtlinge eingeladen am Sonntag den 4.12. an einer vorweihnachtlichen Tagesfahrt nach Goslar teilzunehmen.  Eine große Anzahl traf sich deshalb mittags auf dem Bad Gandersheimer Bahnhof, um gemeinsam mit der Regionalbahn nach Goslar zu fahren. Schon während der Fahrt entwickelten sich viele Gespräche zwischen den Teilnehmenden. Immer wieder gerieten bei Einigen angstbesetzte Erinnerungen an die Flucht und die Sorge um zurückgelassene Familienmitglieder dabei in den Vordergrund. Das zeigt, dass Anspannung, Ungewissheit und nicht verarbeitete Erlebnisse immer noch massiv den Alltag der geflüchteten Erwachsenen und Jugendlichen und Kinder bestimmen.
Die Sprache stellt kein großes Hindernis mehr da, weil fast alle Flüchtlinge seit geraumer Zeit die in Bad Gandersheim angebotenen Sprachkursen erfolgreich besuchen und sich schon gut auf Deutsch verständigen können.
In Goslar wurde die Gruppe wegen ihrer Größe aufgeteilt, um an einer Führung durch die historische Altstadt teilzunehmen. Aufmerksam folgten die Flüchtlinge den Ausführungen der beiden Stadtführer, mussten aber bei manchen speziellen Begriffen, besonders im Bereich der Baukunst, passen, soweit reichten die Deutschkenntnisse dann doch noch nicht. „Da muss man eben häufiger Nachfragen, um zu verstehen,“ sagte eine der teilnehmenden Flüchtlingsfrauen. Aber auch durch die unterstützende Übersetzung durch Teilnehmende mit sehr guten Deutschkenntnissen, löste sich so manch fragender Blick auf.IMG_6114-1024x768Abschließend stand ein Besuch des Goslarer Weihnachtmarktes auf dem Programm. Den Rundgang nahmen viele der Angereisten gern wahr und  ließen sich begeistern durch die vielen Lichterketten und das bunte fröhliche Treiben auf dem Markt.
Sehr zufrieden mit dem gelungenen Tag, die gemeinsame Aktion von Ehrenamtlichen und den neu Eingebürgerten und dem Wunsch nach Wiederholung, kehrte die Gruppe abends nach Bad Gandersheim zurück. (ni)

Das Weltcafé – Umzug und neue Öffnungszeit

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Schon seit zweieinhalb Jahren ist das Weltcafé fester und bewährter Bestandteil
der Flüchtlingshilfe einLeben in Bad Gandersheim. Wöchentlich treffen sich hier regelmäßig in der Stadt oder im Umland wohnende Flüchtlinge und ehrenamtliche Betreuer, um Informationen auszutauschen und Hilfestellung bei auftretenden Problemen des alltäglichen Lebens zu geben. Auch interessierte Einwohner können hier die Initiative kennenlernen und unterstützen.

In der kommenden Woche am 08.12.2016 zieht das Weltcafé vom Martin-Luther-Haus in die „Alte Diakonie“ in der Stiftsfreiheit 14 um. In dem Gebäude befindet sich auch seit kurzer Zeit die Integrationsberatung (wir berichteten darüber).
Gleichzeitig ändert sich auch die Öffnungszeit dieses Treffpunktes. Ab 08.12.16 ist das Weltcafé wöchentlich donnerstags von 15:00 bis 17:00 geöffnet. (ni)

Deutschkurse für Flüchtlinge – Prüfungen erneut erfolgreich

Nachdem im Sommer bereits zahlreiche Geflüchtete ihre A1-Prüfungen, also die erste Stufe der Sprachprüfungen, erfolgreich absolviert hatten, wurden im Herbst nun erneut Zertifikate vergeben. Damit konnten sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene ihre Kenntnisse unter Beweis stellen. Aus einem A1-Kurs mit 200 Unterrichtsstunden sind die Palästinenser Mohammed Ekky, Ibrahim Ekky, Hasan Ekky und Ahmad Subhi Al Khalaf aus Syrien zur Prüfung gegangen und haben sehr gute Ergebnisse erzielt. Sie werden bereits jetzt bzw. demnächst alle in einem Integrationskurs auf ihrem Niveau weiter unterrichtet, um 2017 die B1-Prüfung abzulegen. B1 bedeutet, dass man sich in Alltagssituationen verständigen kann, dass sowohl der Wortschatz als auch die Grammatikkenntnisse ausreichen, um Sinnzusammenhänge zu erkennen und dem anderen mitzuteilen. Dies betrifft Themenbereiche wie Familie, Arbeit, Haushalt, Gesundheit, Verkehr, Nachrichten, Festtage, Freizeit, Bildung und den Kontakt mit Behörden. Aber auch gesellschaftspolitische Fragen und kulturelle Aspekte gehören zum Unterricht auf diesem Niveau.

Bestanden haben die B1-Prüfungen bereits Roza Gebralu aus Eritrea und Sandra Adjaklo aus Togo. Roza Gebralu ist derzeit Hausfrau und möchte in Zukunft als Krankenschwester arbeiten, während Sandra Adjaklo im Moment als Aupair-Mädchen beschäftigt ist und eine Ausbildung zur Physiotherapeutin anstrebt. Mit dem B1-Zertifikat ist das nun möglich. Herausragend gut ist bei beiden der Prüfungsabschnitt “Sprechen/Kommunikation” verlaufen, in dem sie fast die volle Punktzahl erreicht haben. Beide Frauen lernen bereits auch weiter, weil sie im kommenden Jahr die nächste Prüfung B2 ablegen möchten.

Zwischen A1 und B1 liegt die Stufe A2, und diese Prüfung hat ebenfalls im Herbst Ahmad Aljarah aus dem Irak erfolgreich abgelegt. Auch er hat im mündlichen Bereich seine Fähigkeiten besonders gut präsentieren können. In der Heimat hat er als Fotojournalist gearbeitet und plant nun eine Ausbildung oder ein Studium in diesem Bereich, während er bereits privat als Fotograf tätig ist. Für ihn steht Anfang nächsten Jahres dann die B1-Prüfung an.

Die KVHS nimmt gerne auch noch neue Interessenten in ihren Kursen auf: Wer Deutsch lernen möchte, aber im Moment noch keinen Kurs hat, kann sich bei der Außenstellenleiterin Irene Söffker unter Telefon 05382/3124 oder soeffkergan@t-online.de informieren. Auch Einstufungen werden von der KVHS vorgenommen, damit das Kursniveau stimmt.

Ein neuer A1-beginnt am Montag, 28. November, um 10.45 Uhr im KVHS-Raum in der Breslauer Straße. Dieser Kurs wird im Frühjahr die A1-Prüfungen ablegen. Da ein Integrationskurs in Bad Gandersheim ja bereits seit dem Sommer läuft, werden im Frühjahr 2017 auch weitere B1-Prüfungen angeboten. Ein neuer Integrationskurs beginnt ebenfalls am 28. November und endet im kommenden Sommer mit B1. Diesen Prüfungen können sich dann auch externe Interessenten anschließen, die keine Berechtigung zur Teilnahme am Integrationskurs haben, weil sie entweder noch kein Asyl haben oder nicht aus den als besonders gefährdet eingestuften Ländern Iran, Irak, Syrien oder Eritrea stammen. Insofern ist es für alle Zugezogenen aus dem europäischen Ausland, aber auch aus Afghanistan, Pakistan und anderen afrikanischen Ländern wichtig, dass weitere Sprachkurse in Bad Gandersheim angeboten werden. So läuft derzeit auch ein A1-Kurs, der als Alphabetisierungskurs begonnen hatte. Ein neuer B1/B2-Kurs ist im November gestartet und schult alle Fortgeschrittenen, die keinen Integrationskurs absolvieren. Sie können aber ebenfalls an den Prüfungen der Integrationskurse teilnehmen. Dazu werden auch einige Schüler und Schülerinnen der Sprachlernklassen gehören. Im Gymnasium bestehen weiterhin diese gesonderten Übungsklassen für junge Leute, die in den Regelschulbetrieb eingegliedert werden sollen, sobald sie genug Deutsch können. So erhalten sie die Möglichkeit, einen deutschen Schulabschluss zu machen. Dies gilt ebenso für die Geflüchteten, die in der Oberschule bereits erfolgreich in den Regelklassen unterrichtet werden. (g.söf)

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Foto 1 von links: Ibrahim Ekky, Mohammed Ekky,  Ahmad Subhi Al Khalaf vor ihrer Lehrerin Paula Chmielewska-Podyma

Foto 2 Ausflug zum Torfhaus nach dem Abholen der Zertifikate – von links: Roza Gebralu , Ahmad Aljarah ,Sandra Adjaklo

Integrationsberatung – Eine wichtige Anlaufstelle für Flüchtlinge in Bad Gandersheim

Seit dem 24.08.2016 befindet sich die Integrationsberatung Bad Gandersheim in den frisch renovierten Räumen der ‘Alten Diakonie’ in der Reutergasse in BadEinweihungsfeier 1 Gandersheim. Zur Eröffnungsfeier waren neben Vertretern der Stadt und anderer Institutionen  viele interessierte Bad Gandersheimer gekommen. Unter ihnen befanden sich auch viele Flüchtlinge, die in unserer Stadt und ihrer Umgebung fern von Krieg und Verfolgung in ihrem Heimatland eine neue Bleibe suchen oder gefunden haben.

„Die neuen Räumlichkeiten erleichtern die Arbeit der Integrationsberatung immens“,  meint Christina Mörth, die in einem Gespräch zusammen mit Amira Sultan die Entstehungsgeschichte und die momentane Situation in der Flüchtlingsberatung aufzeigt. Denn bisher musste der Beratungsplatz mit anderen Mitarbeitern im Haus der Diakonie geteilt werden.

Viele Flüchtlinge sind nach den vielfältigen Strapazen, die sie unterwegs erleiden 20160915_142016mussten, kurz nach der Ankunft in Bad Gandersheim mit den diversen Anmeldeverfahren, der Wohnungssuche und Verwaltungsvorgängen durch ihre Unkenntnis stark überfordert. Viele Probleme konnten die ehrenamtlichen Helfer der Flüchtlingsinitiative EinLeben schon lösen, aber eine Anlaufstelle, wo weitere dringende Fragen geklärt werden konnten, gab es nicht. Aufgrund der großen Nachfrage hat Christina Mörth als Mitarbeiterin der Diakonie deshalb schon Ende 2015 die Beratungstätigkeit in diesem Bereich begonnen.

„Seit Beginn haben wir mit vielfältigen Problemen und der Suche nach entsprechenden Lösungsansätzen zu tun.“ Oft sind Christina und Amira mit der sich zäh hinziehenden Dauer der Asylverfahren und der damit verzögerten Ausstellung von Ausweispapieren konfrontiert. Die andauernde Ungewissheit über Bleibemöglichkeiten führt neben den Sorgen um die in der Heimat zurückgebliebenen Angehörigen bei vielen Flüchtlingen zu großen psychischen Belastungen. „Ein Teil unserer Aufgabe ist es hierbei im Gespräch beruhigend auf die Betroffenen einzuwirken und durch den Kontaktaufbau zur Ausländerbehörde nähere Informationen über den jeweiligen Stand des Verfahrens zu erhalten. Zur Zeit überlegen wir auch, wie unser jetziges Angebot um eine psychosoziale Beratung erweitert werden kann. Angedacht ist eine Vermittlung zwischen Flüchtlingen und professioneller Hilfe wie beispielsweise Psychologen/Psychiatern oder entsprechenden Beratungsstellen,” erklären Amira und Christina.

Auch Fragen zur Teilnahme an deutschen Sprachkursen wird versucht im Rahmen der Beratung zu klären. Ebenfalls ist die medizinische Versorgung der Bad Gandersheimereröffnung 2 Neubürger ein wichtiges Thema für die Hilfesuchenden. Hierzu gehören unter anderem die Beratung und Hilfestellung bei der Arztsuche und der Abrechnung von medizinischen Leistungen. „Neben Nachfragen von Flüchtlingsfamilien zu Kindergarten- und Schulplätzen, interessieren sich auch viele für Studienmöglichkeiten und der Anerkennung für Studienleistungen im Herkunftsland“, meint Christina. Aufgrund des großen Andrangs, der vielen unterschiedlichen Anfragen und deren Bearbeitung, würden sich beide über eine Entlastung durch weitere Mitarbeitende in der Beratungsstelle freuen.

Während des Interviews haben sich inzwischen die Räumlichkeiten der ‚Alten Diakonie‘ allmählich mit vielen Ratsuchenden gefüllt, da die Sprechzeiten gleich beginnen. Dies zeigt, wie wichtig dieses Beratungsangebot der Diakonie ist und es auch gern und dankbar von einer großen Anzahl der Neubürger in Anspruch genommen wird. (ni)

Pflanzen-Aktions-Tag des Kur- und Verkehrsvereins Bad Gandersheim (KVV)

Pflanzaktion Holzmindenerstr.Es war endlich genügend Regen gefallen, um in der Kernstadt Bad Gandersheim und den umliegenden Dörfern letzten Sonnabend Tausende von Narzissen Zwiebeln in den Erdboden zu bringen. Im nächsten Frühjahr sollen uns viele Grasflächen mit dem hellen, leuchtenden Gelb der Narzissen erfreuen. So waren unterschiedliche Gandersheimer Gruppen ausgerüstet mit Spaten und Arbeitshandschuhen am Wochenende unterwegs. Auch eine Gruppe unserer Neubürger (gerne verabschieden wir uns von dem Begriff „Flüchtlinge“) unterstützte tatkräftig die Aktion. Alle arbeiteten mit vollem Einsatz und Freude zuerst an der Heckenbecker Straße und dann in der Umgebung des Diakonissen-Mutterhauses „Salem“ an der Hildesheimer Straße. Ein Neubürger, aus dem Iran stammend sagte zum Abschluss: „Jetzt ist Bad Gandersheim wieder ein bisschen mehr zu meiner neuen Heimat geworden!“ (pi)

Mutterhaus 2      Es geht dem Ende zu

Fußballgruppe Vollspann United – jeden Dienstag voll dabei!

Fußballgruppe Vollspann

Es ist Dienstag 18.00 Uhr. Auf dem Bolzplatz hinter dem Lidl-Markt in Bad Gandersheim ertönen die lauten Zurufe der Spielenden untereinander über das Areal bis zu den Zuschauerplätzen. Hektische Laufbewegungen, eine Gruppe Spieler drängt mit dem Ball durch geschicktes Zuspielen Richtung Tor. Dann ein Schuss. Zielgenau, für den Torwart unerreichbar wird der Ball in die rechte obere Ecke ins Netz platziert. Tor!

Vierzehn fußballbegeisterte Jugendliche, Männer und Frauen eilen zum Anstoßpunkt, um das Spiel fortzusetzen. Sie gehören alle zur Hobby-Fußballgruppe „Vollspann United“, die vor gut einem Jahr gegründet wurde. Initiatoren waren Andree Schröder und Marcel Gillner aus Bad Gandersheim. Seit dem Frühjahr 2016 sind über die Mitspieler Miriam Mole und Nadim Sultan von der Initiative einLeben auch viele Geflüchtete zu der Spielgemeinschaft hinzugekommen.

Schon lange suchten die neuen Bad Gandersheimer nach Möglichkeiten, sich fußballsportlich an ihrem neuen Lebensort betätigen zu können. Regelmäßig treffen sich alle einmal die Woche.
Mit der Teilnahme am Ahlshäuser FUN-Cup im Juli dieses Jahres konnte darüber hinaus auch schon erste echte Wettkampf Erfahrung gesammelt und der außergewöhnliche Team-Spirit unter Beweis gestellt werden.

Sprach- oder Verständigungsschwierigkeiten gibt es in der Mannschaft kaum, da die Spielregeln zum einen jedem wohlbekannt sind und andererseits die bisher erworbenen deutschen Sprachkenntnisse zur Verständigung untereinander schon ausreichend vorhanden sind. Es herrscht ein sehr freundschaftliches Verhältnis unter den Spielenden. Sportliches Verhalten ist Ehrensache. Verbal entgleisende Auseinandersetzungen, Missgunst oder absichtliche grobe Fouls sind hier kein Thema.

Für einige Talente der Fußballgruppe ging die sportliche Reise sogar noch weiter. Neben Vollspann United sind sie mittlerweile bei lokalen Vereinen wie dem SV Harriehausen oder der SVG Grün-Weiß Bad Gandersheim aktiv.
Es ist schön zu sehen, dass das Thema Integration auch bei unseren Vereinen großgeschrieben wird. Und welches Mittel ist dabei bitte besser geeignet als der Sport?!“, so Initiator Andree Schröder.

Noch nicht absehbar ist, wie in der kalten Jahreszeit das regelmäßige Spielen der Hobbykicker fortgesetzt werden kann. Dringend wird deshalb eine Halle gesucht. Für jeden Tipp ist Vollspann United sehr dankbar.

Wer eine Möglichkeit weiß, kann sich unter redaktion@einleben.net gerne an unsere Redaktion wenden. Wer Spaß am Mitmachen bei Vollspann United hat, ist herzlich eingeladen dienstags ab 18:00 Uhr auf dem Bolzplatz hinter dem Lidl-Markt vorbeizuschauen. Mehr Infos und Kontakt außerdem auf Facebook unter „Vollspann United Bad Gandersheim“.  (ni)

Alte Diakonie – Einzug der Integrationsberatung in die neu renovierten Räumlichkeiten steht kurz bevor

Wie wir schon Ende letzten Jahres berichteten, wird seit längerer Zeit geplant, dieRenovierung bisher leer stehende Alte Diakonie wieder neu zu beleben. Der erste Schritt hierfür erfolgt nun  zur Einweihung am 26. August 2016. Ein Teil der Räumlichkeiten wird dann die Integrationsberatung der Diakonie im Braunschweiger Land belegen. Hierfür waren einige Renovierungsmaßnahmen erforderlich, um eine ansprechende Atmosphäre für die Einrichtung zu gewährleisten.

Die Integrationsberatung will Menschen mit Migrationshintergrund Möglichkeiten aufzeigen, wie sie die Herausforderungen, die das Leben in einer anderen Kultur mit sich bringen, besser bewältigen können. In der Alten Diakonie wird es deshalb unter anderem Hilfestellung und Beratung in Fragen zu Asyl- und Ausländerrecht, beim Zugang zu Sprach- und Integrationskursen, zur Gesundheit und Schwangerschaft oder zum Schulbesuch und zur Berufsausbildung geben.

HinterhofAuch der Hinterhof der Alten Diakonie wurde mit Unterstützung engagierter Helfer aufgeräumt und neu gestaltet. Hier sollen bei schönem Wetter Besucher der Beratungsstelle verweilen können und Gelegenheit erhalten mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. Später werden weitere Projekte im Hause folgen. Der neu entstehende Treffpunkt soll Flüchtlinge als Neubürger der Stadt mit anderem kulturellen Hintergrund und schon länger hier lebende Bad Gandersheimer Bürger einander näher bringen, um sich und die jeweiligen Lebensgewohnheiten besser verstehen und (ein)schätzen zu können. (ni)

Ein weiterer Schritt zu einer guten Integration in unserem Land – Die orthodoxe Taufe der kleinen Namin in einer ev. Kirche in Kassel

 

Im März berichteten wir von der Geburt Namins, deren Eltern aus Eritrea fliehen mussten und in Bad Gandersheim aufgenommen wurden. Seitdem werden sie von Mitgliedern der Flüchtlingshilfe betreut, um ihnen die Integration als Neubürger zu erleichtern. Bei der jetzt kürzlich durchgeführten orthodoxen Taufe der kleinen Namin in einer ev. Kirche in Kassel berichtet Elke Pilz, die vor Ort der Zeremonie beiwohnte:

„Ab 6 Uhr morgens sollte ein orthodoxer Gottesdienst mit 3 Taufen und einer Hochzeit in der Landessprache Eritreas stattfinden. Die Tante von Mussie, er ist der Vater von Merry + NaminNamin, war mit Tochter und Sohn extra aus England gekommen und hatte für den Täufling und für die Mutter Merry die Landestracht für dieses Fest als Geschenk mitgebracht. Einige Freunde waren aus verschiedenen Richtungen ebenfalls gekommen, um an diesem Taufgottesdienst teilzunehmen. Es erwarteten uns in der Kirche Jugendliche mit Trommeln, der Hauptpriester mit 3 Hilfspriestern und eine langsam anwachsende Gemeinde, die alle festlich, Männer und Frauen, in weiß gekleidet waren. Vorne in der Kirche war wie in orthodoxen Kirchen üblich der Altarbereich für die Priester abgeteilt und mit Vorhängen verhüllt. Die Priester traten immer wieder während der Handlungen hinter ihnen hervor, um mit der Gemeinde zusammen zu singen und zu beten und Segnungen vorzunehmen. Für mich als Deutsche erlebte Tauf-zeremonieich den Rollentausch, den unsere ausländischen Mitbürger in unseren Gottesdiensten erleben. Vieles war fremd, unverständlich und doch gut mit den Augen zu verfolgen. 3 ½ Stunden verlief der Gottesdienst zuerst mit der Trauungszeremonie, dem eigentlichen Gottesdienstablauf und dann den Taufen. Nach der Segnung des Taufwassers, des Taufbereichs und der Anwesenden, werden die Säuglinge entkleidet, und die Taufzeremonie vollzogen. Zuletzt wird jeder Säugling segnend zum Himmel gehoben und dann zum Ankleiden der Patin übergeben. Alles verläuft sehr symbolträchtig und anschaulich. Den Abschluss des Gottesdienstes bildete die Segnung des Priesters. Da wir ja auch eine Hochzeit am Anfang miterlebten, Gruppenfototrommelten, tanzten und feierten am Ende die Jugendlichen und alle, die wollten, mit. Ein eritreisches Essen in einem Gemeinderaum schloss sich dann noch an. Wir fuhren sehr fröhlich und erfüllt nach Hause, um bei Merry und Mussie in kleinerer Runde die Taufe in ihrer Wohnung zu feiern.“ (pi)

 

Bild 1: Merry und Namin in einheimischen Festgewändern

Bild 2: Segnung der kleinen Namin mit dem Kreuz

Bild 3: Tauffeier im Kreis der Familie und Freunden

Die kleine Namin seit Dienstagnacht auf der Welt und damit bei uns angekommen

Mussie und Merry, die jungen Eltern aus Eritrea sind überglücklich, dass sie nun eine kleine Familie und vor allem hier in Sicherheit sind. Im Januar 2012 hatten sie in EritreaNamin geheiratet, doch ihr gemeinsames Glück dauerte nur 4 Monate. Ein Einberufungsbrief zum Militär kam ins Haus und damit das Todesurteil für den jung verheirateten Mussie. Schon sein älterer Bruder wurde über Jahre beim Militär fest gehalten und kam erst im Sarg nach Hause. Mussie musste um sein Leben bangen und floh. Damit begann eine vierjährige Odyssee zu Fuß durch den Sudan. Dort fand er immer wieder einmal Hilfsjobs, mit denen er verschiedene Schlepper bezahlen musste. Dann ging es weiter nach Libyen, wo er monatelang im Gefängnis zubringen musste. Die Überfahrt in hebammeSchlepperbooten ging nach Sardinien. Dort lebte er wiederum monatelang auf der Straße. Er wäre verhungert, wenn er nicht immer wieder Essen von dort ansässigen Ordensschwestern bekommen hätte. Irgendwann ging es dann nicht mehr ganz so gefährlich über Rom mit dem Zug nach Deutschland ins Auffanglager Friedland. Inzwischen hatte sich auch seine Frau Merry auf den Weg gemacht, wobei sie auflachte als sie gefragt wurde, ob das mit dem Flugzeug für sie möglich war. Die Mutter hatte Merry ihre einzige bescheidene Altersvorsorge, einige goldene Ketten, mit auf den Weg gegeben. Irgendwann im letzten Jahr ist das Paar in Friedland wieder überglücklichEltern zusammen gekommen. Im August 2015 wurden sie uns nach Bad Gandersheim zugewiesen. Kann man sich vorstellen beziehungsweise erahnen, was es diesen beiden Menschen bedeutet jetzt hier in einer Wohnung zu leben?  Alle notwendigen Möbel haben sie inzwischen von der Bevölkerung geschenkt bekommen. Jetzt konnten sie sich in Ruhe und vor allem ohne Angst auf ihr kleines Mädchen freuen. Und dann erlebten sie die Schwangerschaft, die wunderbare Begleitung einer Hebamme, die freundliche Begrüßung auf der Entbindungsstation der Helios Klinik, das schnelle umsichtige Eingreifen des Frauenarztes in der Nacht als die Wehen kamen, beim_Friseurum den nötigen Kaiserschnitt durchzuführen, das liebevolle „Umsorgtwerden“ auf der Entbindungsstation. Beide, Merry und Mussie haben in diesen Tagen immer wieder in ihrem noch nicht so flüssigen Deutsch:“ Gott! Danke!“ aus tiefsten Herzen gesagt und danken damit auch der menschlichen Liebe, die sie hier umgibt. Schon am Nachmittag, nach der durchwachten Nacht am Bett seiner Frau ist Mussie wieder im Friseursalon Siebrecht, der ihm eine 14tägige Hospitation ermöglicht. Er hat in Eritrea als Friseur gearbeitet und möchte so gerne irgendeine, möglichst körperlich fordernde Arbeit finden und damit für seinen Familienunterhalt selbst sorgen. (pi)

Bild 1: Die kleine Namin, 7 Stunden alt

Bild 2: Die Hebamme Vera Pawelowski begleitet die nächtliche Geburt

Bild 3: Uff! es ist geschafft!

Bild 4: Kennenlernen der Arbeitswelt in Deutschland im Friseursalon Siebrecht

Gesprächsreihe #MeinLeben – Helfer erzählen: Miriam

Die Flüchtlingsinitiative ‚einLeben‘ wird in den folgenden Wochen in Interviews Flüchtlingsbegleiter vorstellen, die in Bad Gandersheim wohnenden Flüchtlingen auf dem Weg zur Integration in unsere Gesellschaft hilfreich zur Seite stehen. Sie geben einen Einblick in ihre nicht immer einfache Arbeit, die täglichen Erfahrungen mit Ämtern, Bürokratie und Mitmenschen.
Auch die Flüchtlinge selbst kommen zu Wort. Eindrucksvoll schildern sie in den Interviews die Situation in ihrem Heimatland, Gründe, die sie zur Flucht trieben und die teilweise dramatischen Erlebnisse unterwegs, die sie nicht vergessen können. Ebenso erzählen sie von ihren ersten gewonnenen Eindrücken und Erfahrungen in unserem Land.

Miriam M. – aktive Flüchtlingsbegleiterin                                                                

„Ich bin auf die Flüchtlingsinitiative ‚einLeben‘ gestoßen, als ich intensiv nach einer sinnvollen Aufgabe gesucht habe, die ich neben meiner Berufstätigkeit und dem Familienleben übernehmen konnte.“ Miriam M. ist seit Mai 2015 aktives Mitglied der Gruppe in Bad Gandersheim. Die ausgebildete Krankenschwester half damals spontanMiriam M. das ehemalige Hotel Bartels für 350 angekündigte Flüchtlinge als Erstaufnahmeeinrichtung mit einzurichten. „Als sich herausstellte, dass das Hotel doch keine Asylsuchenden beherbergen sollte und der Urzustand des Hauses wieder hergestellt werden musste, war ich zwar frustriert, suchte aber trotzdem weiter nach Möglichkeiten ankommenden Flüchtlingen helfen zu können. Dabei stieß ich dann im Mai auf die Flüchtlingsinitiative ‚einLeben‘, die sich in Bad Gandersheim mit Unterstützung der Diakonie gebildet hatte.“ Miriam half zunächst mit die Organisationsstruktur der Initiative zu verbessern. „Als ich in die Gruppe kam, sah ich zwar schon zahlreiche Helfer, die in Bad Gandersheim neu angesiedelte Flüchtlinge tatkräftig unterstützten, aber es fehlte noch der klare organisatorische Rahmen.“ Hilfestellung und eine Vernetzung mit den für die Flüchtlinge zuständigen Behörden waren auch erst im Aufbau. „Damals musste viel improvisiert werden. Die Verständigung mit den Flüchtlingen war oft äußerst schwierig, da kaum einer von ihnen sich in deutscher Sprache mitteilen konnte. Englisch und Französisch beherrschten auch nur wenige. Deshalb mussten wir uns umgehend nach Menschen umschauen, die als Dolmetscher fungieren konnten. Wir schafften es tatsächlich ein kleines Netzwerk mit Bad Gandersheimern aufzubauen, die arabisch, französisch oder englisch sprechen konnten und dadurch zur besseren und notwendigen Verständigung mit den neu angekommenen Mitbürgern beitrugen. Auch die Kommunikation untereinander war noch nicht optimal und musste schnell ausgebaut werden.“ Heute, glaubt Miriam, ist die Gruppe durch sinnvolle Aufgabenteilung schon so weit, dass sie auch nach außen hin gut aufgestellt erscheint. „Mit diesen organisatorischen Aktivitäten einen sinnvollen Beitrag für die Strukturierung der Flüchtlingshilfe vor Ort zu leisten, macht mir seit Beginn schon sehr viel Spaß.“

Neben diesen Tätigkeiten betreut Miriam noch persönlich Flüchtlinge als aktive FlüchtlingeBegleiterin: „Ich betreue zur Zeit ein syrisches Ehepaar und helfe zwei jungen irakischen Brüdern, dreizehn und zweiundzwanzig Jahre alt, die im letzten Jahr allein in Deutschland angekommen sind, sich schnell in unserer Gesellschaft einzuleben. Ich unterstütze sie im Kontakt mit Behörden und anderen Institutionen und deren Anfragen, gebe Hilfestellung beim nicht immer einfachen Schriftverkehr oder helfe beispielsweise bei der Organisation eines anstehenden Umzugs. Auch gerade für junge Leute wichtige Freizeitaktivitäten biete ich den beiden manchmal an, da der Alltag außerhalb der Schule sonst häufig eintönig und langweilig verläuft, hervorgerufen durch Kontaktarmut und mangelnde Mobilität auf dem Lande.“

Zur Dauer ihrer Unterstützungsarbeit sagt Miriam: „Etwa acht Stunden pro Woche helfe ich im Rahmen der Flüchtlingsinitiative, was ich sehr gerne tue, da es sich gut mit meinem Beruf und der Familie vereinbaren lässt. Ich ziehe aber auch die Grenze, wo dann Schluss ist, wo ich mich sonst überfordere. Denn zu tun ist immer etwas und viele Flüchtlinge sind mangels Helfer leider nicht im notwendigen Maße ausreichend betreut. Hier braucht es dringend weitere Unterstützer.“

Gefragt nach Kenntnissen über das von ihren betreuten Flüchtlingen auf der Flucht Erlebte, meint Miriam: “Es ist natürlich unterschiedlich, was die Menschen von ihren teils traumatischen Erlebnissen preisgeben möchten und was nicht. Ich habe für mich aber entschieden, dass ich mir die schrecklichen Geschichten von unterwegs gar nicht erst anhören möchte, weil es mich zu sehr betroffen machen könnte. Da ist ein professioneller psychologischer Beistand notwendig, um die teilweise traumatischen Erfahrungen aufzuarbeiten. Dazu muss man aber sagen, dass es in absehbarer Zeit leider noch keine schnelle Hilfe für Betroffene geben wird. Zulange sind die Wartezeiten, um einen  Termin für eine  psychologische Beratung zu bekommen.“

Zu den Erfahrungen mit deutschen Mitbürgern erklärt Miriam: „…die  materielle Unterstützung durch Kleidungs- und Möbelspenden besonders im Bekanntenkreis ist weiterhin ungebrochen, aber die ‚Flüchtlingsmüdigkeit‘ greift in letzter Zeit doch immer mehr um sich. Die anfänglich beobachtete Euphorie ist vorbei. Ich erlebe auch in letzter Zeit verhaltene kritische Äußerungen und sogar Distanzierungen zu meinem persönlichen Einsatz. Das finde ich schade, denn es geht darum, zu helfen und dadurch die Integration in unserer aller Sinne zu fördern.“

Nach Miriams Meinung benötigen die neuen Mitbürger zukünftig vorrangig „…endlich eine Aufgabe, eine Beschäftigung, unbedingt etwas Sinnvolles machen können. Sie wollen arbeiten oder zumindest ein berufsvorbereitendes Praktikum beginnen!“

Abschließend wünscht sich Miriam für die Flüchtlingsinitiative ‚einLeben‘ „…dass wir die Organisation, die interne Kommunikation und Absprachen unbedingt weiter verbessern, damit die Arbeit jedes einzelnen Helfers effektiver gestaltet werden kann, was besonders den zugezogenen neuen Mitbürgern zu Gute käme.“ (ni)